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100 Jahre V.f.V Braunschweig / Cremlingen
Der erste Kraftsportverein Deutschlands wurde vor 112 Jahren gegründet! Es waren die kraftsportbesessen Männer Jansen, Steffen, Kannecht und Brandt, die ihre Idee trotz aller Schwierigkeiten am 30.November 1879 in die Tat umsetzten.
"Wortkarg" sollen die vier gewesen sein, aber "mit zähem Starrsinn" und treu zum Kraftsport haltend. Was sie erreichen wollten, formulierten sie im Gründungsprotokoll des Wandsbeker Athleten-Klubs mit den Worten: "...den Körper durch Ringen und Gewichtheben untereinander zu kräftigen und zu stählen."
Die starken Anfänge muten heute kurios an. Zum Beispiel die ersten Übungsgeräte – große Feldsteine, eiserne Stangen und alles mögliche und unmögliche an zusammengesuchten Gewichten.
Das erste Trainingsquartier war ein muffiger Stall, die Kampfarena der Jahrmarkt, wo man die starken Männer der Umgebung zu Kraftakten herausforderte. Gegner im Heben von Gewichten kannte man noch nicht; auch keine Regeln. Regelungen aufzustellen gelangen auch erst, als nach dem Wandsbeker Vorbild andere Kraftvereine entstanden und sich gegenseitig forderten.
Das ging alles sehr zaghaft vor sich, denn ein Verein, in dem nur Kraftsport betrieben wurde , war zu jener Zeit etwas völlig Neues. Eine gewisse Verselbstständigung von Athleten und Turnern, die sich nur noch kraftfördernden Übungen widmeten. Ringen und Gewichtheben, aber auch kraft- artistische Übungen, gehörten von Anfang an zusammen.
Die nächsten Athletenclubs, die bald wie Pilze aus dem Kraftsportboden schossen, hatten oft recht kuriose und originelle Namen wie Germania, Deutsche Männerkraft, Eiche, Herkules, Athleta, Felsenfest, Hand in Hand, Jugend-Kraft, Orient, Doppeleiche, Falke.
Im Jahre 1898 wurde auch der V.f.V Braunschweig gegründet. Der "Verein für Volkssport" war eine für die damalige Zeit übliche Vereinsgründung. Da die gesellschaftlichen Gegensätze immer noch sehr groß waren, die Vereinsbeiträge in den etablierten Turnvereinen für die Arbeiterschaft teils unerschwinglich waren, was auch so gewollt war, haben sich die Arbeiter in eigenen Vereinen zusammen gefunden.
So fanden sich in den Arbeiterbezirken um die Frankfurterstraße herum ein paar Freunde des Kraftsports zusammen, um einen Athletenverein zur - "Stählung des Körpers durch schwierige Übungen und stufenweise Ausbildung und Steigerung der Muskelkraft" - wie im Amtsgerichtsprotokoll vermerkt ist, zu gründen.
In der ersten Trainingsstätte in einem Hinterzimmer der Gaststätte „Restaurant Stadt Halle“ in der Güldenstraße versuchte man sich in allerlei kraft- und artistischen Übungen. So ist neben dem eigentlichen Stemmen und Ringen, auch Tauziehen, Diskuswerfen, Laufen, Kugelstoßen, ein spezieller Dreikampf, sowie Darbietungen von Musterriegen mit Bombenjonglieren (siehe Bild), Fässerwerfen und Keulenschwingen im Trainingsprogramm gewesen.
Da das Gewichtheben seit 1896 olympische Disziplin ist, versuchte man in den Jahren bis 1910 ein einheitlich verbindliches Wettkampfprogramm für alle Vereine zu erstellen. Man einigte sich auf fünf Übungen: einarmig Reißen, Drücken und Stoßen sowie beidarmig Drücken und Stoßen. Dies variierte im Laufe der nächsten Jahrzehnte mal um die eine oder andere Übung, bis hin zu den olympischen Spielen im Jahre 1972 in München, wo die bis heute gültigen beiden Wettkampfdisziplinen beidarmiges Reißen und Stoßen festgelegt wurden.
Während und nach dem ersten Weltkrieg kam der Sportbetrieb beim V.f.V Braunschweig nahezu zum Erliegen. Kriegsopfer, Hunger, Wirtschaftsflaute und Desinteresse am Sport allgemein trugen ihren Anteil dazu bei. Man hielt sich nur mit Mühe und Not und viel Idealismus über Wasser.
In den Jahren nach 1925 wuchs das Interesse an sportlichen Aktivitäten wieder. Neue Vereine gründeten sich in Braunschweig. So 1928 ein neuer Kraftsportverein mit dem Namen "Heros Braunschweig". Auch wenn man in anfänglicher Konkurrenz zueinander stand, veranstaltete man bald öfters gemeinsame Wettkämpfe und es entstand eine Gemeinschaft bis weit in die Siebziger hinein bis "Heros Braunschweig" sich auflöste.
Mit dem Mitgliederboom einhergehend musste man sich auch nach neuen Trainingsmöglichkeiten umsehen. So konnte man ab 1926 bis 1933 in der Übungshalle der Schule Maschstraße einen geeigneten Trainingsort nutzen. Versammlungsraum war wie seit Gründungsbeginn immer noch das Restaurant "Stadt Halle" in der Güldenstraße.
Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen wurde mit Verfügung vom März 1933 sämtliche Arbeitersportvereine verboten. Dazu gehörte auch der V.f.V Braunschweig. Sein Vermögen und sein Inventar wurden beschlagnahmt und in regimekonforme Vereine, wie im Fall des V.f.V, dem RSV (Rudersportverein) Braunschweig übereignet. Es erfolgte eine Streichung des Statutes Verein beim Amts- gericht Braunschweig und der amtierende Vorsitzende Albert Liesegang kam kurzzeitig in Gestapohaft. So gab es in Braunschweig in der Zeit von 1933/45 nur noch zwei Vereine in denen man reinen Kraftsport ausüben konnte. Das war zum einen "Heros Braunschweig" und der "Verein für Leibesübungen 1933 e.V.".
Nachdem zweiten Weltkrieg war an einen Neuanfang erst mal nicht zu denken. Die meisten ehemaligen Mitglieder waren im Krieg gefallen, befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft oder sind bei den Bombenangriffen ums Leben gekommen. Da die Stadt Braunschweig fast vollständig zerstört war, der beständige Kampf um Essen, Wohnraum, Heizmaterial und die eigene Zukunft die Menschen voll in Anspruch nahm, war der Gedanke an Sport weit entfernt.
Als sich die Situation mit der Währungsreform langsam besserte, und durch die Britische Besatzungsmacht wieder die Genehmigung erlassen wurde Sportvereine zu gründen, haben sich einige alte Mitglieder des V.f.V wieder zusammen gefunden um einen Neuanfang zu wagen. Man fing buchstäblich bei absolut Null an, denn sämtliche Dokumente, Vermögen und das wichtigste, das Trainings- gerät sind in der Zeit des Dritten Reichs enteignet worden, verbrannt und in den Bombennächten verschütt gegangen. So hatte der damalige erste Vorsitzende Albert Uhlenhaut mit einigen Idealisten 1948 die Neugründung gewagt.
So fand man nach einigen räumlichen Wechseln in den folgenden Jahren in der Gaststätte Heinrichshafen (Am Knotenpunkt der Straßenbahn Eisenbüttlerstr./Werk-stättenweg) eine dauerhaftere Bleibe. Die Geschäftsstelle des Vereins befand sich in diesen Jahren in der Maienstraße.
Bei der Neugründung, in der man sich weiterhin auf die Tradition Schwerathletik besann, legte man sich in der Satzung auf folgende Sportarten fest: Gewichtheben, Ringen, Boxen und Rasenkraftsport. Außerhalb der Trainingstätte befand sich an der Gaststätte im Freien ein Boxring, wo man die Wettkämpfe veranstaltete. Nachdem die Räumlichkeiten anfangs der sechziger Jahre für den gesamten Sportbetrieb viel zu klein wurden, suchte man nach neuen Räumen. Da bot die Stadt Braunschweig dem Verein einen Teil des alten Straßenbahndepots an der Eisenbüttlerstraße an. Wiederum machte man sich mit viel Fleiß, Idealismus und einer gehörigen Portion Eigeninitiative an die Arbeit, denn die gestellten Räumlichkeiten waren in einem erbarmungs- würdigen Zustand.
Während in diesen Jahren der Rasenkraftsport an Bedeutung verlor kam der Fußball als neue Abteilung hinzu. Leider mußte man feststellen, das sich die finanziellen Möglichkeiten auf Dauer erschöpfen mußten, denn eine so große Halle wie man sie jetzt sein eigen nennt, kostete auch entsprechenden Unterhalt. So fusionierte man Ende der sechziger mit dem Braunschweiger Judo Club (BJC), einer Sportart die in Deutschland gerade enormen Zuspruch erhielt. Dies bot sich auch an, da Judo mit zur selben Schwerathletikorganisation gehörte, wie das Gewichtheben. So hieß der Verein ab diesem Zeitpunkt BJC-VfV Braunschweig.
In den nächsten zwei Jahrzehnten kamen und gingen die Sportarten. Ringen verschwand, Kraftdreikampf wurde gegründet, die Fußball- und Boxabteilung löste sich auf, eine Fitnessabteilung wurde geschaffen, und Gewichtheben und Kraftdreikampf erlebten einen riesigen Boom.
Die beiden Sparten stellten in der höchsten Liga Mannschaften, in der die Gewichthebertruppe um den Weltmeister und Trainer Hans-Peter Nill sich bis zum Deutschen Vizemeistertitel kämpfte.
Zum Aushängeschild des Vereins wurde aber letztendlich der Sohn des Trainers – Maik Nill, der nicht nur unzählige Titel sein eigen nennen konnte, sondern als krönenden Höhepunkt seiner Sportkarriere 1988 an den olympischen Spielen in Seoul teilnahm.
Aber auch die anderen Athleten der beiden Sparten Gewichtheben und Kraftdreikampf waren im Ringen um Medaillien nicht minder müde. Welt- und Europameisterschaftsplazierungen, Deutsche Meistertitel, Landes- und Norddeutsche Pokalmeister und fast immer mit Athleten die im eigenen Verein groß geworden sind.
Im Jahr 1991 faßte man den Entschluß, nachdem es zu Spannungen gekommen war, zwischen den Sparten Schwerathletik und der Vereinsführung, die durch die Judoabteilung vertreten wurde, die Fusion mit dem BJC zu beenden und wieder ein eigenständiges Vereinsleben zu führen.
Da bot es sich an, das Manfred Nehrkorn, Inhaber von Manni`s Fitness Farm in Cremlingen, und selbst ein ehemaliger Gewichtheber in seinem Areal dem V.f.V einen Trainingsraum zur Verfügung stellte. Man hat sich nach 93 traditionsreichen Jahren einem Ortswechsel gestellt und musste sich nicht nur an neue örtliche Gegebenheiten gewöhnen, auch an einen neuen Namen.
- Denn aus V.f.V Braunschweig wurde nun V.f.V Cremlingen.
- Die sportlichen Erfolge sind trotz vieler anfänglicher Probleme weiterhin auf hohem Niveau geblieben, wozu die optimalen Trainingsbedingungen in Manni´s Fitness Farm einen hohen Anteil bei getragen haben.
Viele Jugendliche und Erwachsene Cremlinger haben sich schon mit dem Eisen und der Hantel beim V.f.V vertraut machen können. So als ein Beispiel Stefan Pontow, der als 11-jähriger mit dem Training beim Trainer Maik Nill begann, und bis heute nicht nur viele Titel für Cremlingen holen konnte, sondern auch eine Stütze des Niedersachsenkaders ist.
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